Dienstag, 4. Dezember 2012

Rezension: Schuldig! Ein Kommissar-Hartmann-Krimi

Jens R. Willmann "Schuldig!"

(Kommissar Hartmann-Serie)

amazon Kindle eBook € 3,08

http://www.amazon.de/Schuldig-Krimireihe-Hartmann-ebook/dp/B008BSYVXK/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1354641126&sr=8-1

als Hörbuch-Download €;9,95

http://www.amazon.de/Schuldig-Wuppertal-Krimi/dp/B008KO39QA/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1354641126&sr=8-3


Mit kritischem Wohlwollen:


Die Kommissar-Hartmann-Reihe sind Wuppertaler Lokal-Krimis. Die vier Bücher sind bereits vor Jahren als Print erschienen - produziert in verschiedenen Pseudoverlagen. Nun sind sie zu einem vernünftigen Preis für den Kindle erhältlich.


Der Einstieg ist für den Leser schwierig zu verstehen. Ein Mann - es heißt viele Seiten lang immer nur "er" - tötet einen anderen Mann. Er tötet ihn nicht irgendwie; er foltert ihn zu Tode. Mit voller Absicht und nach sorgfältiger Planung. Die umständliche Beschreibung soll möglicherweise die akribische Vorbereitung des Verbrechens reflektieren, aber etwas Auflockerung und Gliederung hätte hier aufwertend gewirkt. Da wo andere, um schnell viele Seiten zu füllen, zu viel des Guten tun, nämlich bei den Absätzen, wurde bei "Schuldig!" zu sehr gespart. Die Formulierungen lassen Klarheit vermissen, die sprachliche Umsetzung ist mittelmäßig. Zuweilen weiß der Leser beim besten Willen nicht, was der Autor ihm jetzt sagen will. Über inhaltliche Mängel will ich mich nicht weiter auslassen, erspare mir auch Beispiele; nur so viel: sie sind reichlich vorhanden.


Nachdem ich das Buch durchgelesen hatte, habe ich den als furchtbar empfundenen Anfang nochmals angesehen, und stellte erstaunt fest, dass er gar nicht so schlimm ist, wenn man die Handlung kennt. Leider hilft dies dem Leser überhaupt nicht, der das Buch zum ersten Mal vor sich liegen hat.


Nach diesem ungünstigen Einstieg kommt es zu einem auffälligen Bruch - und zwar in handwerklicher Hinsicht. Der Text wirkt plötzlich wie von einer anderen Person geschrieben. Es wird spannend, die Dialoge sind lebendig und unterhaltsam, die Psychologie stimmt. Insbesondere die weiblichen Protagonisten sind - bei einem männlichen Schreiber eine Seltenheit - realistisch entwickelt.


Kommissar Hartmann, der den Foltermord und bald darauf weitere Fälle zu bearbeiten hat, gilt unter Kollegen als harter Hund. Der Leser lernt ihn aber ganz anders kennen. Hartmann gelingt die emotionale Trennung von der Arbeit nicht, die für den Beruf eines Kriminalisten unerläßlich ist. Hinzu kommen private Kalamitäten , so mit seiner "Problemtochter" aus erster Ehe. Alles wird ein bißchen viel, vielleicht bahnt sich auch eine Midlife Crisis an? Waren Hartmanns Methoden schon zuvor eher unkonventionell, steigt er nun völlig aus. Nachdem er volltrunken mit der Dienstwaffe herumgefuchtelt hat, wird er suspendiert. Hartmann jedoch ermittelt auf eigene Faust weiter und kommt dem Täter und einer Lynchmord-Organisation auf die Spur. Mehr sei nicht verraten.

Ohne Wuppertal zu kennen, rein vom Gefühl her würde ich sagen: es hätte ruhig ein wenig mehr Lokalkolorit sein können. Denn davon lebt ein Regionalkrimi. Fazit: Der Autor hat einen ordentlichen Brotjob und schreibt nur nebenberuflich - das ist  gut. Dennoch hat er eine originelle Idee zu einem letzendlich passablen Roman verarbeitet. Trotz der deutlichen Mängel würde ich weitere Kommissar-Hartmann-Bücher lesen.

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch erst zur Hälfte gelesen, hatte aber keinerlei Verständnisprobleme und ich lese es im Bus auf dem Weg zur Arbeit! Sprachlich hat es eher Roman- als Krimicharakter, mir gefällt der Stil sehr gut, aber so etwas ist Geschmackssache. Viel mehr kann ich noch nicht sagen, da ich es noch nicht ausgelesen habe.

    Viele Grüße
    Anja Wurm

    AntwortenLöschen